Immer mitten in die Fresse rein
Als Grundschüler war SirParker etwas, das man heute klassisch "Opfer" nennen würde. Zwar nicht besonders klein, aber extraschmächtig. Mit Oberarmen, die das Oberkörperäquivalent zu den MC´schen Sirupfäden waren, musste er als Zweitklässer die Launen der evolutionär eher rückwärtig ausgerichteten Neandertaler Viertklässer schutzlos ertragen.
Einer eben dieser Stammhirnverweigerer war Martin. Groß. Stark. So dumm, wie zehn Meter Feldweg. Er war mit elf der Älteste in der Vierten, weil er gleich zu Beginn seiner schulischen Laufbahn entschieden hatte in der ersten Klasse durchzufallen. Die Schuld dafür gab Martin scheinbar mir, anders kann ich mir nicht erklären, dass er mich ständig auf dem Kieker hatte. Dieser rothaarige, mit Sommersprossen übersähte Intelligenzignorant verprügelte mich des Öfteren ohne mir einen entsprechenden Grund zu nennen. Hätte ich seine Mutter beleidigt, oder seine Freundin gepimpert, wäre das alles ja noch verständlich gewesen, doch grundlos vertrimmt zu werden war einfach nicht akzeptabel.
Eines schönen beschissenen Morgens, als es mal wieder soweit war, und er mich suchte um seine tägliche Portion Prügel abzugeben, hatte ich endgültig genug. Ich ging zu ihm hin und sprach ihn direkt an... "Warum hackst Du eigentlich dauernd auf mir rum, ich hab Dir doch garnichts getan?". Ein kurzes Zögern seinerseits war die einzige Reaktion, dann erkannte ich in seinen Augen, dass er die Frage scheinbar nicht verstanden hatte. Quasi buffer overflow! The person you´ve called is temporary not available! - Dann bekam ich wieder Dresche!
Rückblickend betrachtet war es keine sehr schöne Zeit, aber die Welt ist nicht immer so ungerecht, wie sie es im ersten Augenblick zu sein scheint. Irgendwann einige Wochen später begab es sich, dass Martin auf einem Volksfest meinen Cousin traf. Meinen Cousin, der nicht nur elf Jahre älter ist als ich, sondern auch mit seinen Kumpels des örtlichen Fußballvereins dort war. Da dieser von meinen "Misshandlungen" durch Martin wusste, sah er es als seine Pflicht an sich für mich ein- und Martin zuzusetzen. Der rothaarige Sommersprossenterrorist tat mir beinahe leid, als er von vier Mann auf die Fresse bekam... aber nur beinahe. Nach der Tracht Prügel klärte ihn mein Cousin über den Grund dafür auf ("Wenn Du den Kleinen nochmal belästigst, komm ich zu Dir nach Hause!") und seit diesem Abend, hatte ich meine Ruhe.
Da Martin aber auch später sicher wieder den Drang verspürte Leute zu quälen, arbeitet er heute wahrscheinlich bei der GEZ oder ist Politesser...






