Ruhestörung
Ich wäre mal um ein Haar von einem russischen Schichtarbeiter erschlagen worden, und das kam so:
In meiner Ausbildung hab ich mal in einer 3er-WG gewohnt. Ich hatte ein eigenes Zimmer, aber Bad, Küche und Flur musste ich mit mit Basti (der eigentlich Spasti hieß) und Torsten teilen. Die beiden waren in meiner Klasse und ich kam gut mit ihnen aus, also alles kein Problem. Die Wohnung befand sich in Paderborn, genauer im Holsteiner Weg was uns nur recht war, denn die Alternative wäre der Kaukenberg gewesen und dort waren kaum ein Jahr zuvor zwei Klassenkameraden von einem bewaffneten Einbrecher überfallen worden und auch der Jibi-Markt vor Ort hatte mehr Kameras als der BigBrother-Container und mehr Polizei- als Kundenbesuch!
Bisher war das Leben in einer WG nicht so meins gewesen, aber da ich mich wie bereits erwähnt mit meinen Mitbewohnern gut verstand (und eine spezielle Frau in der Nähe wohnte) startete ich das Projekt "WG" - und das mit durchschlagendem Erfolg! Gleich zu beginn war ich mir mit Basti einig, dass ein guter Morgen nur mit guter Musik beginnen kann. Nicht selten kam es deshalb vor, dass Fat Boy Slim, die Fun lovin criminals oder die Fanta Vier knapp über Zimmerlautstärke aus den Boxen dröhnten, aber da sich niemand beschwerte sahen wir auch keinen Grund die Lautstärke runter zu drehen.
Die erste Beschwerde kam dann erst als ich meinen Geburtstag feierte. Wir saßen mit ca. 20 Leuten im größten Zimmer der Wohnung und der Geräuschpegel aus Musik, Gesprächen und brüllendem Mountie war (zugegebener Maßen) recht hoch. Fünf nach Zehn klingelte es an der Wohnungstür. Da ich Andy mit Biernachschub erwartete ging ich fröhlich zur Tür, riß diese auf und schleuderte dem Polizisten und seiner sehr attraktiven Kollegin ein "Wurde ja auch Zeit!" entgegen. "Guten Abend der Herr!" meinte Derrick "wir haben eine Beschwerde wegen Ruhestörung und wie es scheint, ist ihre Wohnung der Tatort!" Seine Kollegin lächelte. "Oh, äh, ja, äh, wir feiern ein bisschen, ich werde dreiund… - neunzehn!" sagte ich und stellt mir Schimanski´s weibliche Verstärkung im Bikini vor. "Machen Sie die Musik bitte leiser, sonst müssen wir ihre Party beenden" sagte dieser blonde Engel in grün, aber für mich klang es wie "Schmeiß die anderen raus und lass uns schmutzige Dinge tun!". Ich versprach ihr, der Bitte nachzukommen und verabschiedete Mr. Holmes und Ms. Watson.
Gegen Ende der Party saßen wir noch zu viert im Zimmer. Voll wie James Hetfield in den 80ern taten wir, was in solchen Situationen immer wieder getan wird - wir diskutierten über den Sinn des Lebens! Als um kurz vor eins nochmal klingelte sagte ich noch im Spaß "Das sind bestimmt wieder die Grünen!" - und sie waren es. "N´abend nochmal! Wir hatten sie doch gebeten leiser zu sein!" begrüßte mich Captain Harris und ich verkniff mir ihm mit einem Bäuerchen zu antworten. In der Wohnung war es still (die Musik hatten wir schon eine Weile vorher runtergedreht). "Ich sag´s nur ungern, aber man hat sie verar… unnötiger Weise gerufen. Wir sind nur noch zu viert und viel lauter als im Moment war es die letzte halbe Stunde nicht mehr." Schade, dabei hätte ich mich von der verschmitzt lächelnden Beamtin gerne mal festnehmen lassen. Beauford T. Justice sah ein, dass hier nichts mehr zu tun war und so verabschiedeten sich die beiden. Ich hab die Polizistin nie wieder gesehen.
Dafür aber unseren Nachbarn aus dem zweiten Stock. Eine Woche nach der Feier beschloss Basti an einem sonnigen Montagmorgen gegen 06:30 Uhr, uns mit "Praise You" auf geschätzten 130 dB zu wecken... Torsten, mich und das restliche Haus. Um 06:32 Uhr schellte es an der Wohnungstür und weil ich das Pech hatte dieser am nächsten zu stehen, öffnete ich. Ivan stand da. Jedenfalls sah er aus wie ein Ivan. Wie ein ziemlich wütender Ivan dazu. "Chrast Du eine Ahnung wie viel Uhr ist?" fragte er mich mit einem osteuropäischen Akzent. "Schätze so circa halb sieben?" Hatte der wirklich bei uns geklingelt um nach der Uhrzeit zu fragen? "Ich arbeite Nachtschicht, habe ganze Nacht geschuftet und will jetzt schlafen!" Aha! Ich war noch leicht benommen und hab deshalb nicht wirklich geantwortet. "Macht Du verdammte scheiß Musik gefälligst leiser?" Die ersten Adern in seinem Auge platzten. "Hören sie mal, das ist überhaupt nicht mei…" "Das ist mir scheißegal" unterbrach er mich "entweder Du machst den Krach aus, oder ich werde richtig sauer!" Richtig sauer? Ich sah mich schon mit zertrümmerten Fingern und Zehen mit dem Gesicht nach unten im Lippe-See treiben. Obwohl nur geschätzte einssiebzig war dieser Kerl offensichtlich gefährlich und hatte bestimmt Kontakte zu Inkasso Moskau oder der Russenmafia und da ich mit dreiund… - neunzehn eindeutig zu jung zum Sterben war kümmerte ich mich darum, dass die Musik leiser wurde.
Basti hielt sich sogar einige Tage daran den musikalischen Ball morgens flach zu halten und als sich die morgendliche Lautstärke dann doch wieder auf Disconiveau eingepegelt hatte, vermied ich es die Tür zu öffnen… Sicher ist sicher!
Warum nennt man den Stereotyp Russe eigentlich immer Ivan? Schon ein Phänomen, oder?!
Aber schön, dass er Dich hat leben lassen!








Erinnert mich an Paul Panzer und Strabo, der Bildhauer....
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Bildhauer für Muschis mit Salzsäure...
Klasse.... der 3. Anruf..... ist .... HACH.... gut gelacht