Denken und Wissen

Ich bin ein Kindskopf. Meist optimistisch. Für jeden Spaß zu haben. Entscheide meist schnell aus dem Bauch heraus. War Klassenclown. Versuche durch lockere Sprüche im oder zumindest am Rand des Mittelpunktes zu stehen. Möchte, dass alle gut mit mir auskommen. Bin der Meinung, dass das Gute am Ende immer gewinnt. Mache mich wenn es sein muss auch für andere zum Affen. Gehe mit einem Lächeln durch die Welt. Das ist die eine Seite...
Die andere ist ernst und verunsichert. Das Foto oben muss in einer Situation entstanden sein, als jener Teil die Oberhand über den Sir´schen Körper hatte. Manchmal... ziemlich oft... kommt es vor, dass ich ohne nachzudenken Sachen sage, die einfach nur total daneben sind. Dann überschrite ich unabsichtlich Grenzen und werde (verbal) verletzend. Das ist eines meiner Probleme, an denen ich arbeite. Es gibt aber auch Momente, in denen ich zu viel denke. In denen ich jede Handlungsmöglichkeit im Kopf durchspiele, jede Aussage zehnmal innerlich prüfe und dann doch nichts sage. Ich liege nächtelang wach und denke nach. Zerbrech mir den Kopf mit vermeintlich klaren oder auch absolut widersinnigen Gedanken und bemerke dabei nicht, dass dadurch alles noch komplizierter wird. Ich vergrab mich in einem Bau voller Abzweigungen und Tunnel und hab dann das Gefühl den Weg an die Oberfläche nie mehr zu finden. Ich will zwar nicht dumm sterben, aber manchmal hab ich den Eindruck, dass genau das der Fall sein wird.
Dabei weiß ich, dass auf diesem langen Weg der Zweifel und Selbstzweifel Ehrlichkeit die einzige Möglichkeit ist abzukürzen und anzukommen ohne Schaden zu nehmen. Manchmal ist der Weg eben doch nicht das Ziel. Ehrlichkeit. Auch und gerade sich selbst gegenüber. Ich muss mir die Frage stellen, was ich wirklich will. Warum soll ich dies und jenes klasse finden, wenn ich im Innern der Meinung bin, dass es totaler Quatsch ist? Soll ich wirklich mich ändern, nur weil andere es von mir verlangen? Steh ich voll und ganz hinter meiner Entscheidung? Will ich um jeden Preis gefallen, wenn die Konsequenz ist, dass ich mich im Spiegel nicht mehr ansehen kann? Was ist für mich wichtig und wie weit würde ich gehen um es zu bekommen?
... Denken und Wissen...... zur Zeit denke ich wieder viel nach... dabei würde ich so gerne wissen...
mein problem ist nur, es so auszudrücken - ich rede besser als es aufzuschreiben ...
Soll ich...? NEIN
Ganz klar: nein. Abgesehen davon, daß du dich in deiner Grundstruktur nicht verändern kannst (ein Fisch bleibt immer ein Fisch, und ein Vogel bleibt ein Vogel, auch wenn man den Fisch in die Luft wirft und den Vogel taucht...): wenn du dich nur veränderst, um anderen zu gefallen, wrist du dich verbiegen und womöglich zerbrechen. Es ist etwas anderes, wenn du an dir arbeiten willst, weil du selbst Veränderung wünschst, weil DIR was an dir nicht gefällt (da haben es Frauen einfacher, die können das Äußere ändern, Männer müssen immer gleich persönlichkeitsklempnern, weil sie äußerlich einfach perfekt sind, LOL. Tschuldigung.) Wenn DU die Notwendigkeit zur Veränderung bemerkst, und sei es, weil du siehst, daß dein Verhalten andere traurig macht, dann ist es was anderes. Aber nicht, weil andere sagen, "sei doch mal mehr... und sei doch nicht so...".
Zum Wissen und Zweifeln: das ist völlig normal. Es spricht für dich, daß du nachdenkst und zweifelst. Wichtig ist der schwere Schritt, nachher doch eine Entscheidung zu treffen. ;)
Warum wir uns anpassen
Individualität ist ja soooo anstrengend. Ich habe leider nicht immer die Kraft und schwimme inzwischen ganz gut mit dem Strom. Bin ich deswegen weniger interessant? Ich sag mir dann einfach, wer das denkt ist selber schuld und wäre es eh nicht wert gewesen, dass ich ihm meine innersten Geheimnise offenbart hätte.
Post Scriptum: Der Sir als Kind, einfach unwiderstehlich süss!
Ein Vorstadtkrokodil
Auch das ist NUR Leben.
Und wenn sich hierzu noch der Mut gesellt, das in dieser Form öffentlich zu debattieren, dann ist auch die Hoffnung nicht mehr weit.
In diesem Sinne: Stelle Dir weiterhin Fragen, suche nach Antworten und besinne Dich auf das, was DIR im Leben wichtig ist. Wenn Ehrlichkeit und eine Portion Selbstachtung dazu zählen, ist alles in Ordnung.
dein Problem kenn ich gut - sehr gut sogar. :)
Schön - oder eher treffend, wie du das beschrieben hast.
Gerade dieses "Reden-ohne-zu-Denken"-Problem kommt mir sehr bekannt vor. Vor allem, wenn ich ehrlich sein will. Obwohl ich es gar nicht so meine, wie es ankommt, verletze ich dann die Menschen. Allerdings: Sobald ich darüber nachdenke, was ich sage(n will) und mir andere Möglichkeiten der Ausdrucksweise überlege, hört mir in der Zeit keiner mehr zu. Andererseits: Ich bin so wie ich bin, und die Leute, die mich kennen, wissen, wie sie mich zu nehmen haben (am liebsten über die Bettkante gebeugt *muahahaha* *räusper* kleiner Witz am Rande...) und der Rest hat eben Pech gehabt.
Kleiner Tipp: Denk nicht zuviel darüber nach :)
LG
zauber-mond
time will tell...
Noch was 'lustiges' zu dem Thema
Leider weiß ich nicht, vom wem er ist, aber ich find ihn irgendwie passend:
"Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage?"
So, Zitatekiste wieder zumachen und weiterarbeiten...
*winke*
LG
zauber-mond








Nun zum Text:
Ich kann sehr gut nachempfinden, was du meinst und bin beeindruckt wie gut du es in Worte fassen kannst.
War, bin, auch stets der Clown, die Sprücheklopferin gewesen, brachte die Menschen in der Klasse stehts zu Lachkrämpfen und habe auch heute noch einen extremen Spaß daran durch meine Wortgewandheit volle Aufmerksamkeit zu genießen.
Dennoch gibt es auch bei mir eine Seite, die viele nicht kennen. Auch ich denke oft ohne Ende nach, kehre tief in mich ein und zerbreche mir den Kopf, wie es wohl kaum jemand tut und auch kaum jemand von mir ahnt...
Du bist also nicht allein.
Danke für diesen wundervollen Text! Schön, dass du genauso grandios über ernste, wie auch belustigende Dinge schreiben kannst!